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Der Adventskranz

veröffentlicht am 2. November 2020

Der Adventskranz

Wir schreiben das Jahr 1832. Johann Hinrich Wichern hat sein Studium abgeschlossen und ist nun Erzieher und evangelisch-lutherischer Theologe. Er arbeitet als Oberlehrer an einer Sonntagsschule. Durch diese Tätigkeit wird er täglich mit den Arbeiterkindern der Elendsviertel in Hamburg konfrontiert. Die Not, die er dadurch im Laufe der Zeit kennenlernt, lässt ihn handeln. Und so zieht er im Oktober des Folgejahres mit seiner Mutter und zwei Geschwistern in ein altes Bauernhaus. Dieses wurde ihm von einem Senator der Stadt für seine geplanten Hilfsprojekte zur Verfügung gestellt. Das Haus war bekannt unter dem Namen „Rauhes Haus“. Bereits Ende des Jahres 1833 betreut Wichern 14 heimatlose Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren.

Die Geschichte vom Adventskranz

 

Der erste Adventskranz

 

Wenn in der Vorweihnachtszeit die Städte und Wohnungen festlich geschmückt wurden und der Advent die Menschen auf Christi Geburt einstimmt, fragten die von Johann Wichern betreuten Kinder immer wieder wann denn nun endlich Weihnachten sei. Und weil die Kinder natürlich nicht nur einmal fragten, hatte Wichern im Jahr 1839 eine Idee.

Er nahm ein Wagenrad und befestigte daran so viele Kerzen, wie der Advent Tage hatte. Im Jahr 1839 waren es 23 Kerzen. Vier davon waren groß, dick und weiß, sie standen für die vier Sonntage vor Weihnachten, der Rest, also 19, waren kleine rote Kerzen; diese symbolisierten die Werktage. Die Anzahl der kleinen Kerzen ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Fällt der Heilige Abend mit dem vierten Sonntag im Advent zusammen, so sind es mit 18 die wenigsten Roten – maximal sind es 24 von den kleinen. In diesem Jahr wären es 22 kleine rote Kerzen auf dem Rad.

Die Geschichte vom Adventskranz

Den neuen „Kerzenleuchter“ ließ Johann Wichern anschließend im Betsaal des Rauhen Hauses aufhängen. Und dann zündete er jeden Tag eine neue Kerze an: an den Werktagen eine kleine und an den Adventssonntagen eine große. Die Kinder konnten nun selbst erkennen, wie viele Tage es noch bis Weihnachten waren. Und an Heiligabend brannten dann alle Kerzen, so dass der Raum von hellem Licht durchflutet wurde.

Ein positiver Nebeneffekt war es, dass die Kinder, die es noch nicht konnten, das Zählen lernten.

 

Der Kranz wird bekannt und verändert sich

Als Pfarrer war Johann Hinrich Wichern selbstverständlich häufig in der Kirche anzutreffen und dort erzählte er immer wieder von seiner Idee. So wurde der Kranz schnell bekannt.

Das „leuchtende Wagenrad“ fand viele Freunde und so haben immer mehr evangelische Kirchen in den folgenden Jahren den Adventskranz eingeführt. Rund 20 Jahre nach seiner Erfindung, also um 1860, schmückt Wichern seinen Kranz erstmals mit Tannengrün.

Die Geschichte vom Adventskranz

Das Tannen- oder auch Fichtengrün ist im Winter ein Zeichen für das Leben. Gerade dann, wenn die Tage kurz und die Nächte lang und kalt sind, spendet das satte Grün die Hoffnung auf schnelle Veränderung mit wieder wärmer und länger werdenden Tagen. Das Licht der Kerzen symbolisiert das zunehmende Licht.

Im Jahr 1925 war es dann auch in der katholischen Kirche soweit und der „Ring mit den Kerzen“ hielt Einzug in die kirchlichen Gebäude. Der erste katholische Adventskranz wurde in Köln aufgehängt; er hatte aber nur vier Kerzen – für jeden Adventssonntag eine. Diese Variante wurde dann auch schnell auf protestantischer Seite eingeführt.

Die Geschichte vom Adventskranz

Der Grund dafür ist einfach: Die Menschen wollten diese Adventsdekoration auch bei sich zu Hause haben, doch ein Wagenrad mit bis zu 24 Kerzen aufzuhängen war aus Platzgründen in den allermeisten Fällen nicht möglich. Dazu kam die große Gefahr des offenen Feuers. Also musste sowohl die Größe des Kranzes als auch die Anzahl und Größe der Kerzen schrumpfen.

 

Der Kranz und seine Symbolik

Neben der Hoffnung auf Licht und Leben durch das Tannengrün und Kerzenlicht gibt es weitere Deutungen für die Symbolik des Kranzes.

So verkörpert zum Beispiel die runde Form, die keinen Anfang und keine Ende kennt, den Kreislauf des ewigen Lebens. Im Christentum steht dies auch für die Auferstehung und für die Gemeinschaft.

Die mittlerweile nur noch vier Kerzen auf dem Kranz können, wenn man den Verkleinerungsprozess des Ursprungskranzes von Johann Wichern unberücksichtigt lässt, die vier Himmelsrichtungen der Erde darstellen.

 

Brauchtum

In der katholischen Kirche wird der Adventskranz teilweise mit drei violetten und einer rosa Kerze geschmückt. Ausgangspunkt dafür ist die liturgische Farbenlehre. In dieser wird die Farbe Violette unter anderem im Advent verwendet. Aufgehelltes Violette ist Rosa und die Rosa Kerze kann am dritten Adventssonntag dem „Gaudete (= Freut euch!)“ genutzt werden. Außerdem findet Rosa auch am Laetare (= … freue Dich!), das ist der vierte Fastensonntag, Anwendung.Die Geschichte vom Adventskranz

Die hauptsächlich protestantischen Norweger entscheiden sich meist für vier violette Kerzen und führen dies ebenfalls auf die liturgische Farbskala zurück.

Im benachbarten Schweden ist die Kerze für den ersten Adventssonntag in der Regel weiß – die anderen drei sind Violette. Das Weiß der ersten Kerze steht hierbei für die „Paradiesfarbe“.

Die katholischen Iren ergänzen ihren Adventskranz gerne mit einer fünften, weißen Kerze. Sie stellen diese in die Mitte des Kranzes und zünden sie an Heiligabend an. Dabei hat jede Kerze ihre eigene Bedeutung und einen eigenen Namen.

Im Erzgebirge – dem deutschen „Weihnachtsland“ – werden vier unterschiedlich große rote Kerzen auf den Adventskranz gesteckt. Dabei erfolgt dann das Anzünden der Kerze von der größten zuerst bis zur kleinsten am vierten Advent und traditionell gegen den Uhrzeigersinn. In der Woche nach dem Totensonntag binden die „Erzgebirger“ ihre Kränze mit frischem Tannen- oder Fichtenreisig. Geschmückt wird der Kranz mit farbigen Kugeln, Zapfen und Glocken. Rote Schleifen, Nüsse und weitere Weihnachtsmotive kommen ebenfalls zum Einsatz.

Die Geschichte vom Adventskranz

Neben der Kerzenfarbe und Kerzenmenge sowie der unterschiedlichen Dekoration, gibt es auch zeitliche Unterschiede. Die gängige Adventsliturgie wurde von Papst Gregor im 6. Jahrhundert festgelegt. Er bestimmte unter anderem die Anzahl von vier Adventssonntagen. Aber war das dann überall so? Nein! Denn in einigen Pfarreien des Bistums Lugano in der Schweiz und in der Kirchenprovinz Mailand dauert die Adventszeit sechs Wochen. Beginn ist der erste Sonntag nach dem Martinstag. Als logische Konsequenz wird der Adventskranz dort auch mit sechs Kerzen bestückt. Grundlage für dieses Brauchtum ist der Heilige Ambrosius – einer der fünf Heiligen des Advents. Gedenktag für den Heiligen Ambrosius ist der 7. Dezember. Und obwohl Ambrosius bereits im 4. Jahrhundert lebte, hat dieser Ritus in den genannten Regionen bis heute überdauert.

 

Ein geschmücktes Wagenrad gab es schon früher

In der Winterkälte draußen zu arbeiten bereitet nur bedingt Freude. Und im frühen Mittelalter war das dann noch um einige Ecken härter und unangenehmer als heutzutage. Zum Glück gab es damals ein ungeschriebenes Gesetz, wonach die Mägde und Knechte bei strenger Winterkälte nicht im Freien arbeiten mussten. Weil das Gesetz aber nur „ungeschrieben“ war, wussten sich die Bediensteten zu helfen – und so stellten sie den Wagen, mit dem sie sonst immer auf das Feld fuhren, in die Scheune und montierten eines der Räder ab. Dieses wurde dann über den Kamin im Haus oder in den Dachfirst gehängt. Ergo: keine Fahrt aufs Feld in eisiger Kälte.

Und weil man im Rad auch ein Symbol für die Sonne sah, wurde dieses mit „immergrünen“ Zweigen geschmückt – und wir erinnern uns: grüne Zweige stehen vor allem in der dunklen Jahreszeit für Hoffnung; in diesem Fall für die Hoffnung auf baldige Wiederkehr der Sonne und dem Frühjahr.

Einen christlichen Bezug hatte dieses geschmückte Wagenrad zum damaligen Zeitpunkt nicht.

 

Höher. Schneller. Weiter.

Speziell für das Guinnesbuch wurden verschiedene Projekte durchgeführt. So hat die Toggenburger Gemeinde Mosnang im Jahr 2017 den größten Adventskalender der Welt kreiert. Mit einem Durchmesser von 120 Metern und einem Umfang von 400 Metern gelang der Weltrekord. Damit übertrafen die Ostschweizer den bisherigen slowenischen Rekord mit 100 Metern Durchmesser. Die Slowenen ihrerseits lösten zum damaligen Zeitpunkt den kanadischen Rekord mit 80 Metern Durchmesser aus  dem Jahr 2011 ab.

Der größte „echte“ Adventskranz der Welt aber befindet sich in Kaufbeuren und hat einen Durchmesser von acht Metern. Die Kerzen des Kranzes sind aus Wachs und messen jeweils knapp zwei Meter. Er wird aus echten Weißtannenzweigen gefertigt und steht am Neptunbrunnen der Stadt. Vom 1. Advent bis zum Dreikönigstag kann der Kranz dort bestaunt werden.

 

Selber machen

Trotz all der Hektik und dem täglichen Stress hat der Advent nichts von seiner besinnlichen Kraft verloren. Wenn die Tage kurz und kalt sind und bereits am späten Nachmittag die Lichter der Weihnachtsbeleuchtung das meist Grau in Grau erhellen, kommt in uns dieses warme Gefühl an die Oberfläche: es weihnachtet. Auch wenn es manchmal schwerfällt, ist es jetzt an der Zeit herunter zu fahren und inne zu halten. Am intensivsten wird dieses Gefühl, wenn wir nicht nur daran denken, sondern es erleben. Das geht zum Beispiel gut mit selber machen. Also basteln Sie doch dieses Jahr Ihren Adventskranz selbst – am besten mit den Kindern oder gleich mit der ganzen Familie.

>> Wie Sie einen klassischen Adventskranz selbst gestalten können, lesen Sie hier

 

Heutzutage gibt es Adventskränze in den unterschiedlichsten Ausführungen und Darstellungen. Die Möglichkeiten sind fast unerschöpflich und der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Des Öfteren wird der runde Kranz auch durch Adventsgestecke ersetzt. Sie mögen es lieber modern und andere Materialien? Kein Problem.

Die Geschichte vom Adventskranz

Eine Auswahl für Ihren individuellen Adventskalender finden Sie auf

>> Adventskranz aus Papier

>> Asparaguskranz

>> Adventskranzvariationen

 

Alles beim Alten

Johann Hinrich Wichern wurde am 21. April 1808 in Hamburg geboren und starb dort am 7. April 1881 im Alter von 72 Jahren. Im Laufe der Zeit hat sich der von ihm erfundene Adventskranz deutlich verändert. Der Kranz wurde kleiner, die Kerzen weniger und der Schmuck mehr. Daneben entwickelten sich Brauchtümer, Rituale und Traditionen – und zum Teil verschwanden diese auch wieder.

Im Rauhen Haus in Hamburg allerdings wird die Wichernsche Tradition aufrecht erhalten. Hier gibt es in der Vorweihnachtszeit noch den originalen Adventskranz, wie ihn Johann Hinrich Wichern 1839 erfunden hat. Und das ist gut so.

Wie auch Sie etwas mit Bestand erschaffen können, lesen Sie hier

 

 

Wissen

>> Johann Hinrich Wichern

>> Das Rauhe Haus in Hamburg

>> Die Liturgischen Farben

 

 

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Quellen: helles-koepchchen.de, vivat.de, lernando.de, weihnachtszeit.net, adventskranz.de, kath-kirche-kaernten.at, ndr.de

Bilder: pixabay.com, wikipedia.org

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