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Das Berliner Testament

veröffentlicht am 3. August 2020

Das Berliner Testament

Das Berliner Testament ist eine besondere Variante des gemeinschaftlichen Testaments. Das ist in Deutschland vor allem unter Eheleuten mit Kindern sehr weit verbreitet. Im Wesentlichen setzen sich die Ehegatten gegenseitig zu Alleinerben ein und bestimmen, dass nach dem Tode des länger lebenden Partners der gemeinsame Nachlass einem Dritten, meist den gemeinsamen Kindern, zufallen soll. Die Kinder werden dann als sogenannte Schlusserben eingesetzt.

Wie erstelle ich ein Berliner Testament?

Paare können also gemeinsam zum Notar gehen und ein sogenanntes öffentliches Testament aufsetzen lassen. Das hat den Vorteil, dass Sie beraten werden und der Notar ihren Willen eindeutig sowie rechtssicher aufschreibt und dann amtlich verwahren lässt. Die Kosten richten sich nach dem Vermögen.

Der letzte Wille kann aber auch selbst aufgesetzt werden. Dabei reicht es, wenn ein Partner das Testament mit der Hand schreibt und der andere Ehegatte die gemeinschaftliche Erklärung mit Vor- und Zunamen mitunterzeichnet (BGB § 2267). Der, der nur unterschreibt, sollte angeben, wo und wann er unterschrieben hat. 

Besteht das Testament aus mehreren Seiten, empfiehlt es sich, es durch zu nummerieren. Jeder sollte jede Seite einzeln unterschreiben. Es sind auch zwei getrennte Dokumente zulässig, sofern der Wille besteht, den Nachlass gemeinsam zu regeln. Dann sollten die beiden Texte zusammen in einen Umschlag aufbewahrt oder zusammengeheftet werden. Eine mögliche Formulierung ist: „Als Alleinerben setzen wir uns gegenseitig ein. Nach unser beider Tod sollen unsere Kinder zu gleichen Teilen erben.“

Berliner Testament

Eckdaten zum Berliner Testament:
  • Die Partner sichern sich gegenseitig finanziell ab. Derjenige, der länger lebt, kann über das gesamte Vermögen verfügen. 

 

  • Das Vermögen geht ohne Erbauseinandersetzung auf den überlebenden Ehegatten über. Das gilt besonders, wenn nahezu das gesamte Vermögen aus einer Immobilie besteht, die der länger Lebende weiter bewohnen soll. Der Lebensstandard des Ehegatten ist mit einem solchen Testament erst einmal gesichert, und der Nachlass soll nach dem Tod beider Eltern gerecht unter den Kindern aufgeteilt werden.

 

  • In sogenannten Patchwork Familien können auch die Stiefkinder in die Erbfolge einbezogen werden. Bei gesetzlicher Erbfolge gehen sie dagegen leer aus. Werden Sie als Erben ins Testament aufgenommen, dann sind sie den leiblichen Kindern bei der Erbschaftssteuer gleichgestellt. Derselbe Freibetrag von 400 000 Euro gilt auch für sie.
Berliner Testament

 

Das Berliner Testament hat vor allem für Familien eine ganze Reihe an Vorteilen, birgt aber auch Fallstricke.

Wer ein Berliner Testament aufsetzt, muss auch eindeutig schreiben, dass der überlebende Ehegatte für den ersten Erbfall Alleinerbe sein soll. Fehlt diese ausdrückliche Erbeinsetzung, dann gilt im Zweifel die gesetzliche Erbfolge. Allein die Formulierung „nach unserem Tod“ reicht als Andeutung nicht dazu aus, den länger lebenden Ehegatten als Alleinerben einzusetzen. Auch dass sich Ehegatten üblicherweise selbst bedenken, lässt nicht den Schluss zu, dass immer eine gegenseitige Erbeinsetzung gewollt ist (Auszug Oberlandesgericht München).

Beim Berliner Testament erben die Kinder erst, wenn beide Eltern verstorben sind. Dadurch werden sie beim Tod des ersten Elternteils quasi enterbt und könnten ihren Pflichtteil einfordern. Mit einer sogenannten Pflichtteilklausel lässt sich das verhindern. Sie besagt, dass Kinder, die nach dem Tod des ersten Elternteils ihren Pflichtteil verlangen, auch nach dem Tod des zweiten Elternteils nur den Pflichtteil bekommen. In der Regel rechnet sich das nicht.

Bei großem Vermögen droht eine unnötige hohe Erbschaftssteuer.

Die Kinder zahlen erst ab einem Erbe von mehr als 400 000 Euro Steuern. Diesen Freibetrag können sie zweimal in Anspruch nehmen: nach dem Tod des Vaters und nach dem Tod der Mutter. Erbt aber nach dem Tod des einen Elternteils zunächst nur der Witwer oder die Witwe, verfällt der Freibetrag der Kinder. Bei Vermögenden muss dann möglicherweise erst einmal der überlebende Partner an den Fiskus zahlen, nach dessen Tod werden die Kinder noch einmal zur Kasse gebeten. Sollten die Kinder schon beim Tod des ersten Elternteils einen Teil des Vermögens erben oder als Vermächtnis erhalten, können sie ihren Freibetrag ausnutzen. Mit einem Nießbrauch, also dem Nutzungsrecht, wäre der verwitwete Partner trotzdem finanziell abgesichert.

Ein Berliner Testament bindet über den Tod hinaus.

Wenn der eine Partner verstorben ist, kann es nur dann noch geändert werden, wenn sich die Eheleute das ausdrücklich gegenseitig zugestanden haben. Aus Expertenerfahrung vergessen dies viele Paare. Die Folge daraus: Die Witwe oder der Witwer dürfen beispielsweise nicht mehr die Aufteilung des Nachlasses unter den Kindern ändern, auch wenn es dafür gute Gründe gäbe. Flexibler wird das Berliner Testament mit Klauseln, die die Bindung aufheben oder einschränken. Möglichkeiten gibt es da einige. Sämtliche Änderungen können zugelassen, aber auch festgelegt werden. Wie zum Beispiel, dass sich die Erbquoten ändern dürfen, jedoch nicht der Kreis der Erben.

 

Gut zu wissen:

Kann ein Berliner Testament angefochten werden?

Im Falle eines Berliner Testaments kommt es hin und wieder zu Situationen, in denen man eine Anfechtung der gemeinschaftlichen Verfügung von Todes wegen in Erwägung zieht. Diese hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn ein Anfechtungsgrund besteht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Verfasser das Testament basierend auf einem relevanten Irrtum errichtete. Besonders häufig führt aber die Wiederheirat des überlebenden Ehegatten zu einer Anfechtung, da hierdurch Berechtigte des Pflichtteils übergangen werden. Auch die Geburt eines Kindes nach dem Tod des Erstverstorbenen kann ein Anfechtungsgrund sein.

Wie wird ein uneheliches Kind im Berliner Testament berücksichtigt?

Uneheliche Kinder werden hinsichtlich der Erbschaftssteuer gleichgestellt. Sie werden auch im Pflichtteilsrecht nicht benachteiligt. Für die Erbschaft spielt es somit keine Rolle, ob die Kinder des Erblassers ehelich oder unehelich waren. Damit ein uneheliches Kind nicht nur unmittelbar nach dem Tod des leiblichen Elternteils erbt, sollte man eine entsprechende Verfügung in das gemeinschaftliche Testament einbringen.

Berlinger Testament
Sprechen Sie mit Ihrem Partner!

Ehegatten beziehungsweise eingetragene Lebenspartner, die ein gemeinschaftliches Testament errichten, sollten sich einig sein. Für beide Partner sollten die getroffenen Regelungen zufriedenstellend sein, schließlich geht es um das eigene Erbe.

Hier sollte man keine halbherzigen Kompromisse eingehen. Außerdem muss man bedenken, dass das Berliner Testament nach dem Ableben des ersten Erblassers unter Umständen nicht mehr geändert werden kann. Im Zweifelsfall ist es vollkommen legitim, von einem Berliner Testament abzusehen und stattdessen Einzeltestamente zu verfassen.

Befassen Sie sich mit den relevanten Gesetzen zum Berliner Testament!

Grundsätzlich ist es immer ratsam, im Zuge der Errichtung eines Testaments einen Rechtsanwalt oder Notar zu konsultieren. Da bei einem Berliner Testament zwei Erblasser gemeinsam agieren, ist der Rat eines Experten besonders wichtig und wertvoll. Nichtsdestotrotz ist Eigeninitiative hier angezeigt und sehr hilfreich.

Ehegatten und Lebenspartner, die ein gemeinschaftliches Testament errichten möchten, sollten also einen Blick ins Gesetz werfen und in § 2265 bis § 2273 BGB nachlesen, wie das Berliner Testament hierzulande geregelt ist. So gewinnen auch juristische Laien einen guten Eindruck und können sich zumindest auf den Termin beim Anwalt oder Notar bestmöglich vorbereiten.

Berlinger Testament

 

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Quellen: sparkasse.de, Oberlandesgericht München, Deutscher Sparkassenverlag

 

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